Gestern Abend waren wir zu Gast bei der Podiumsdiskussion mit unserer rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer zum Thema “Faire Welten – Wie wir auch morgen noch ein gutes Leben haben können”. Als Gaststimme durften wir aufzeigen, was es heißt, ein #BIOHOTEL zu sein und wie sehr uns der Schutz der #Artenvielfalt in der #Landwirtschaft am Herzen 💚 liegt.

Wir danken der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz und Faire Welten für diesen inspirierenden Abend mit herausragenden Rednern und einem super engagierten Publikum! Wir freuen uns auf eine tolle Zukunft in unserem schönen Bundesland!

Tipp: Am Wochenende findet die Messe Faire Welten in Mainz statt. Da gibt’s leckeres Essen, tolle nachhaltige Mode und vieles mehr zum nachhaltigen Lifestyle 🤗


Jede dritte heimische Art in Deutschland ist gefährdet. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt das Bundesamt für Naturschutz. Das kommt nicht von ungefähr – so der renommierte Evolutionsbiologe und Zoologe Joseph H. Reichholf. Er sagt z.B.: “Fischotter wurden als schlimme Fischräuber betrachtet, als man in alten Zeiten selbst gefangene Fische noch zur Ernährung brauchte. Wer heutzutage angelt, tut dies zum Vergnügen. Auch gejagt wird so. Nur ausnahmsweise geht es um die wenig erfolgreiche Regulierung von Wildbeständen. Dennoch haben es alle Tiere schwer, die von dem leben müssen, womit sich Angler und Jäger nur verlustieren.”

Und natürlich nimmt die Landwirtschaft eine sehr traurige Rolle bei der Entwicklung unserer Natur ein:

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Immer weniger kleine Bauernhöfe, Neubauten ohne kuschlige Nischen und der Mangel an Insekten machen es den Rauchschwalben schwer. Tausende Kilometer legen sie zurück, um hierher nach Deutschland zu kommen.

“Über Feld und Flur singt keine Lerche, fliegen keine Schwalben mehr. Die Tiere und Pflanzen der Fluren wurden totgespritzt und zugedüngt. Der “Stumme Frühling” ist großflächig Wirklichkeit. Vor allem im Westen. Dass in Deutschland wieder Wölfe leben, Seeadler, Fischadler, Kraniche und Wildgänse zu Tausenden oder Zehntausenden vorkommen, verdanken wir der Wiedervereinigung.”, so Reichholf weiter.

Der dicht besiedelte Westen mit seinen Ballungsgebieten und der flächendeckenden Landwirtschaft lässt kaum Raum für die Freiheit der Natur. Höchstens, wenn felsiger Boden oder sumpfiger Untergrund die Landwirtschaft unrentabel machen, ist ein Fleckchen noch gefeit vor der radikalen (Aus-)Nutzung. Erst wenn man sich ganz im Westen der französischen Grenze nähert, wird es wieder etwas wohliger in der Natur. Da findet man doch noch so manch verwunschenes Flusstal und mit Wiesen, die noch diesen Namen verdienen – weil sie nämlich bunt sind. Wir sind froh, dass wir am Rande des Rhein-Main-Gebietes diesen Zugang zur deutschen Wildnis an einigen Orten unbeschwert genießen können. Dennoch bleibt es vor allem die Aufgabe der Landwirtschaft, die genutzten Flächen ohne die “chemische Keule” zu bearbeiten – und hier und da zumindest einen kleinen Raum unberührt zu lassen. Doch nicht nur die Landwirte stehen in der Verantwortung. Prof. Dr. Reichholf weißt zurecht auch auf staatlich gebilligte oder initiierte Eingriffe in die Natur hin:

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Lieber mal den Rasenmäher oder Mulcher stehen lassen…

“Die Stadt- und Forstverwaltungen hindert […] [der Naturschutz] nicht daran, mitten in der Brutzeit entlang von Straßen und Wegen Buschwerk maschinell zu mähen. Das zerstört die letzten Streifen, auf denen noch Wildblumen blühen – und viele Vogelnester. Zurück bleiben auch die zerfetzten Körper der geschützten Blindschleichen, Schlingnattern und Eidechsen. Doch die Pflegemaßnahme ist rechtens, wie die ganze Landwirtschaft, ob hochgradig industrialisiert betrieben oder “Bio/Öko”.”

Wenn es um die Scholle geht, auf der wir leben, kann sich niemand verstecken. Denn jeder ist ein Genießer dessen, was die Natur uns jeden Tag schenkt: Leckeres Essen und Trinken und ein Raum, in dem wir leben können. Jeder kann entscheiden, wo er sein täglich Brot bezieht und wie er seinen Lebensraum gestaltet. Und jeder kann in seinem Garten oder auf dem Balkon einen Platz für die Natur schaffen: Für Insekten, für Vögel, für Igel und Siebenschläfer, für Fledermäuse und Blindschleichen. Belohnt wird diese Aufmerksamkeit für die Natur mit vertrauensvoller Nähe der Wildtiere, die uns liebevolle an ihrem Leben teilhaben lassen. Was gibt es da Schöneres?

 

>> Mehr zu diesem Thema: Die Welt – Meinung: Wie Naturschutz den Schutz der Natur verhindert


– Pressemitteilung –

In den Weinbergen des Bioweingutes Gänz  darf ab April nicht mehr gejagt werden

 Hackenheim, 01.04.2015. Mit Bescheid vom 25.03.2015 hat die Kreisverwaltung Bad Kreuznach einen Großteil der Flächen der Bioweingutes Gänz in Hackenheim mit Wirkung zum 01.04.2015 – zunächst befristet auf drei Jahre – für befriedet erklärt. Mit Beginn des neuen Jagdjahres müssen die ansässigen Jäger somit auf diesen Flächen der Familie Gänz auf das Töten von Tieren verzichten. Bereits im Jahr 2010 hatte der Biobetrieb bei der zuständigen Behörde einen Antrag gestellt, aus ethischen Gründen von der Zwangsbejagung der eigenen Flächen befreit zu werden. Bis zu einer historischen Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) im Juni 2012 waren Eigentümer von Grundstücken im Außenbereich unter 75 Hektar gesetzlich verpflichtet, die Jagd auf ihren Flächen zu dulden. Der Gesetzgeber musste daraufhin das Bundesjagdgesetz ändern und Eigentümern die Möglichkeit einräumen, die Jagd auf ihren Grundstücken ablehnen zu können, wenn sie diese nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können. Albert Gänz, der Grundstückseigentümer des Biobetriebs, beruft sich mit seinem Antrag auf eben solche ethischen Gründe: “Viele Wildtiere sterben durch die Jagd einen qualvollen Tod. Familienverbände werden zerrüttet und wertvolle Sozialstrukturen zerstört.”, erklärt Albert Gänz. “Auch wenn es gerne abgestritten wird, werden viele Tiere aus Spaß oder als Freizeitvergnügen getötet und sterben einen unnötigen Tod. Auf meinen Grundstücken soll das Leben von Wildtieren geachtet werden. Deshalb ist es mit meiner Vorstellung von einem Leben mit der Natur nicht vereinbar, dass auf meinem Grund und Boden auf grausame Weise das Blut von Wildtieren vergossen wird.”, so Gänz weiter. Familie Gänz sieht zudem in der Jagdruhe auf ihren Flächen einen Gewinn für die Allgemeinheit, den Natur- und Artenschutz: Ruhezonen, in denen Wildtiere nicht dem ununterbrochenen Jagddruck ausgesetzt sind, gebe es in Deutschland noch viel zu wenige. Viele Biologen und selbst einige verantwortungsbewusste Jäger seien sich der Notwendigkeit bewusst, dass Wildtiere unbejagte Rückzugsgebiete brauchen.1

 

Familie Gänz aus Hackenheim ist mit ihrer Sichtweise nicht alleine: Bundesweit sind seit der neuen Gesetzgebung bereits dutzende Grundstücke von Eigentümern, welche die Bejagung auf ihren Grundstücken aus ethischen Gründen ablehnen, befriedet worden. Auch das Nachbarland Luxemburg hat den Reformbedarf bei der Jagd auf Wildtiere erkannt: Für das Jagdjahr 2015/2016 wird dort die Jagd auf Füchse vollständig verboten. Das zuständige Ministerium ist zu dem Schluss gekommen, dass die Fuchsjagd aus ökologischer Sicht sinnlos ist. “Damit folgt Luxemburg der Position namhafter Wissenschaftler, die schon seit geraumer Zeit darauf hinweisen, dass sich Wildtierbestände unabhängig von jagdlichen Eingriffen regulieren.”, so Lovis Kauertz, Vorsitzender von Wildtierschutz Deutschland.

 

Aktualisierung vom 18.05.2015: Die Jagdgenossenschaft Hackenheim hat gegen den Bescheid der Kreisverwaltung Bad Kreuznach Einspruch eingelegt. Bis dieser entschieden ist, ist der Vollzug des Beschlusses aufgeschoben.

Aktualisierung vom 12.01.2016: Das lange Warten hat sich gelohnt! Unsere Flächen sind gemäß oben genanntem Bescheid seit dem 12.01.2016 befriedet!

Aktualisierung vom Frühling 2019: Bei der Behörde liegt unser Antrag zu Erneuerung unserer befristeten Befriedung vor.

 

1 Dr. Daniel Hoffmann, Deutscher Jagdschutzverband e.V., öffentliche Anhörung zur Änderung jagdrechtlicher Vorschriften, (17/12046) des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz am Mittwoch, 20. Februar 2013

Dr. Josef Reichholf, in der BR-Sendung “Unser Land” vom 16.11.2012

 

 

Weitere Informationen erhalten Sie bei:

Wildtierschutz Deutschland: www.wildtierschutz-deutschland.de


Die Füchse in unserem Nachbarland Luxemburg können aufatmen:

Eine freudige Nachricht aus Luxemburg hat in dieser Woche verkündet, dass die Jagd auf Füchse dort gänzlich verboten werden soll – vorerst befristet auf ein Jahr.

Natürlich toben die luxemburgischen Jäger. Denn die Fuchsjagd ist dort wie hier eine beliebte Freizeitbeschäftigung.

In Deutschland wird uns gerne erzählt, dass die Jagd auf Wildtiere notwendig sei. So wird dem Fuchs beispielsweise nachgesagt, dass er die Bestände von wertvollem Niederwild wie Rebhühnern akut gefährde. Dieses Vorurteil hat sich bis heute noch nicht bewahrheitet. Vielmehr ist die industrielle Landwirtschaft der Grund für das Verschwinden von Rebhühnern, Feldhasen & Co.. Entgegen der Behauptungen von Jägern spielen auch vom Fuchs ausgehende Krankheiten für den Menschen und sein Umfeld nur eine untergeordnete Rolle. Jedes Jahr sterben mehr Menschen bei “Jagdunfällen” als beispielsweise am Fuchsbandwurm. Schlussendlich gibt es nur einen “Grund” für die vehemente Jagd auf Wildtiere: Der Spaß der Jäger am Töten.

»Wir Menschen sind nicht die einzigen Lebewesen, die Gefühle haben und Schmerz empfinden«

Auch die Politiker in Luxemburg sehen das so: Es gebe aktuell »keinen objektiven Grund«, Füchse zu jagen, so Camille Gira, Staatssekretär im Ministerium für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur, auf einer Pressekonferenz am 22.1.2015. Die geschossenen Füchse hätten »keine nützliche Verwendung« mehr, sei es als Nahrung oder als Pelz. Jedes Jahr würden in Luxemburg»rund 3.000 dieser sympathischen Lebewesen« abgeschossen und dann in die Mülltonne geschmissen. Zudem sei die Tollwut bereits seit über zehn Jahren »ausgemerzt«.
Die Leitlinie der Regierung sei, eine »andere Umgangsweise mit Tieren« zu fördern, die einer »aufgeklärten Gesellschaft im 21. Jahrhundert gerecht werde, so Staatssekretär Gira. »Wir Menschen sind nicht die einzigen Lebewesen, die Gefühle haben und Schmerz empfinden«.

Auch in Deutschland wächst die Kritik an der Fuchsjagd immer mehr. Wir freuen uns schon auf die Zeit, wo unsere liebevollen Mitbewohner der Natur bald ein schöneres Leben – ohne ständigen Jagddruck – in Deutschland haben werden.