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Keine Jagd auf unserem Land

+++Neuer Sende-Termin: 10. April, 18:30 Uhr im ZDF+++

Keine Jagd auf meinem Grundstück – unter diesem Titel steht die Sendung TerraXpress am 10.04.2016 um 18:30 Uhr im ZDF. Hierfür wurden wir im Dezember vom einem Filmteam einen Tag lang in unseren Weinbergen und unserem Wald begleitet – denn wir möchten keine Jagd auf unseren Grundstücken. Doch warum? Die Jagd ist doch Naturschutz. Die Jagd ist doch notwendig, um die explodierenden Bestände der Wildtiere (vor allem von Wildschweinen und Rehen) zu regulieren. Wildfleisch ist doch die beste Bio-Qualität, die man sich gönnen kann. Oder?

Oder etwa nicht?

Leider wirkt, was das Thema Jagd angeht,  immer noch die jahrelange Desinformation vieler Jäger und Landwirte, die ein blutiges Hobby der Allgemeinheit gegenüber unter falschen Vorwänden rechtfertigen wollen. Denn in Wirklichkeit geht es bei der Jagd weder um Naturschutz, noch um eine erfolgreiche “Regulierung” von Wildtierbeständen, auch nicht um eine notwendige “Seuchenbekämpfung”. Auch ist Wildfleisch keine ethisch vertretbare Alternative zu “herkömmlichem” Fleisch. Die Wahrheit sieht ganz anders aus.

Die Jagd ist nach der industriellen Landwirtschaft Artenfeind Nr. 2.

Die Jagd gehört nach der industriellen Landwirtschaft zu den größten Feinden unserer heimischen Flora- und Fauna-Vielfalt (vgl.: Josef H. Reichholf: Die Zukunft der Arten – Neue ökologische Überraschungen. Verlag C.H.Beck, München, 2005). Denn die Jagd greift völlig unnatürlich in das hochsensible, natürliche Gefüge der Wildtierbestände ein. Jäger – egal wie gut ausgebildet – können die vielen Einflussfaktoren der Natur in keiner Weise nachahmen und zerstören durch ihre – im Vergleich zur Natur – unbeholfenen Eingriffe mehr, als sie helfen. Im Sinne einer nachhaltigen Ökologie kann die Natur nur durch die Natur selbst reguliert werden.

Die Jagd kann Wildtierbestände nicht regulieren.

Obwohl die Jagd in Deutschland nahezu vollflächig organisiert stattfindet, klagen Landwirte und Jäger unentwegt über explodierende Wildtierbestände. Obwohl gejagt wird?! Ja. Ganz offensichtlich erfüllt die Jagd nicht den Zweck, den sie vorgibt zu tun. Selbst Jäger müssen langsam zugeben, dass sie mit ihren Eingriffen in den Naturhaushalt mehr zerstören als helfen: Norbert Happ, der bekannteste deutsche Wildschweinkenner – selber Jäger – prangert an: »Die Nachwuchsschwemme ist hausgemacht« (Jägerzeitung »Wild und Hund«, 23/2002). Schuld sind die unkontrollierten Abschüsse, die zu Verschiebungen in den Sozialgefügen der Wildschweine führen. Resultat sind eine verfrühte Geschlechtsreife und unkontrollierte Vermehrung. Helmut Hilpisch, Berufsjäger in Diensten der Hövel’schen Rentei, macht unmissverständlich deutlich: »Wildschweine regulieren ihren Bestand selbst – zumindest dann, wenn sie in intakten Familienverbänden unterwegs sind.« Das ist nur der Fall, wenn sie nicht durch Abschüsse gestört werden. Auch bei Füchsen ist mittlerweile wissenschaftlich belegt, dass durch die Jagd die Vermehrungsrate steigt. Werden sie in Frieden gelassen, sinken die Bestände “von alleine” auf ein gesundes Niveau mit den natürlichen Schwankungen.

Die Jagd schützt auch nicht vor Seuchen.

Die erfolgreiche Bekämpfung von Seuchen wie z.B. der Tollwut (Deutschland gilt heute als tollwutfreies Land) wurde nicht durch Jagd erzielt, sondern durch Impfköder. Eine schwerwiegende Seuche wie z.B. die Schweineseuche wurde in der Vergangenheit immer wieder durch Jäger verursacht, weil diese “Abfälle” ihres Hobbys (Kadaver, Schlachtabfälle, Lockauslagen) in der Natur verbreiten. Ist eine solche Seuche einmal aufgetreten, wird sie durch die Jagd oft noch weiter verbreitet: Da die Tiere aufgrund der Verfolgung immer fliehen, umherziehen und ihre angestammten Orte verlassen müssen (insbesondere aufgrund von Treibjagden), verschleppen sie Krankheiten und Seuchen in andere Gebiete.

Die Jagd bringt Fleisch aus Tierqual.

Oftmals ist uns nicht bewusst, wie Tiere zur Fleischgewinnung sterben. In einem Schlachthof ist die Betäubung der Tiere vor der Tötung Gesetz. Denn der Tod bedeutet Schmerz. Nach § 5 (1) des Tierschutzgesetzes ist gilt in Deutschland: »An einem Wirbeltier darf ohne Betäubung ein mit Schmerzen verbundener Eingriff nicht vorgenommen werden.« Und was tut die Jagd? Schießen Jäger zuerst Betäubungspfeile, bevor sie mit der Flinte den Tötungsschuss geben? Nein, weit gefehlt. Es ist noch viel schlimmer. Denn bei den meisten Abschüssen sterben die Tiere noch nicht einmal beim ersten Versuch. In einem Großteil der Fälle fliehen die Tiere angeschossen, schleppen sich mit zerfetzten Körperteilen ins Dickicht und sterben dort einen qualvollen, langsamen Tod. “1 Schuss = schneller Tod” ist leider ein romantisches Ideal, das Jäger nur selten erreichen. Ist ja auch nur zu logisch, wenn man die Bedingungen bedenkt: Oft stehen die Tiere zwischen Büschen und Bäumen, weit entfernt oder rennen schnell. Wer kann da schon genau treffen? Die Jagd ist daher in den meisten Fällen Tierquälerei. Man muss also kein Vegetarier sein, um die Jagd als grausam und ethisch unvertretbar einzustufen.

Die Jagd bedeutet in Wirklichkeit: Spaß am Töten.

Der Jäger und Rechtsanwalt Dr. Florian Asche räumt in seinem Buch »Jagen, Sex und Tiere essen: Die Lust am Archaischen« (Neumann-Neudamm, 2012) mit den gängigen Begründungen und Rechtfertigungen für die Jagd auf:  Jäger als Ersatz für Großraubwild, Jäger als Bekämpfer von Wildschäden und Seuchen, Jäger als Naturschützer und Biotop-Pfleger, Waidgerechtigkeit… Ein Jäger, der diese Gründe für die Jagd anführe, würde lügen: »Wir jagen nicht, um das ökologische Gleichgewicht herzustellen. Zumindest ist das nicht das auslösende Motiv unserer Anstrengungen. Es ist nur eine Rechtfertigung für unsere Triebe und Wünsche, die viel tiefer gehen als die Erfordernisse der Wildschadensvermeidung und des ökologischen Gleichgewichts… Auf die Jagd gehen wir, weil sie uns Genuss und Lust bereitet.«

Paul Parin, Neurologe, Psychoanalytiker und selbst Jäger spricht in seinem Buch »Die Leidenschaft des Jägers« (Hamburg, 2003) aus, worum es bei der Jagd tatsächlich geht: »Leidenschaftlich Jagende wollen töten. Jagd ohne Mord ist ein Begriff, der sich selbst aufhebt…«

Doch der Tod, der mit dem Beutemachen der Jäger verbunden ist, sei in der Öffentlichkeit verpönt, sagt die Redakteurin Silke Böhm von Wild und Hund (das führende Jagd-Magazin in Deutschland). »Deswegen suchen die Jäger Begründungen in Begriffen wie Nachhaltigkeit, Hege und Naturschutz.«

Wir wünschen uns eine Natur, in der kein blutiger Krieg mehr gegen unsere heimischen Tiere geführt wird. Deshalb wollen wir keine Jagd auf unseren Grundstücken.

Hinweis: Diese Argumente sind nur ein Ausschnitt aus dem komplexen Thema der Jagd auf Wildtiere. Für weitere Informationen empfehlen wir Ihnen unter anderem:

>>>Wildtierschutz Deutschland

>>>Hintergründe zur Fuchsjagd

 

>>Sehen Sie hier den Beitrag live oder in der Mediathek des ZDFs.

>>Aktualisierungen zur Sendung veröffentlichen wir auf unserer FB-Seite.

>>Unsere Pressemitteilung: Jagdfreie Weinberge

 

 

 

 

 

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