Bereit machen für den Frühling

 

Es fühlt sich schon fast nach Frühling an. Und das, obwohl wir nach dem Kalender mitten im Winter stecken müssten. Auch wenn der Winter vielleicht noch einmal kommt, ist jetzt die richtige Zeit, einige Dinge draußen auf das neue Jahr vorzubereiten!

Wie man sein Haus mit Meise und Spatz teilen kann

Der milde Spätwinter ist die ideale Zeit, bestehende Nistkästen der Vögel zu reinigen und bestenfalls noch neue nach draußen zu bringen. Mancher fragt sich wahrscheinlich zu Recht, warum unsere Vögel überhaupt Nistkästen brauchen. Die können doch selbst etwas bauen. Ja, Amseln oder Finken z.B. bauen sich selbst Nester. Die sind meist napfförmig, finden sich in Büschen und werden aus Zweigen, Moos und Haaren fein säuberlich “verwebt” . Viele unserer heimischen Vögel sind dagegen “Höhlen-” oder “Halbhöhlenbrüter”. Dazu gehören viele Meisenarten, Kleiber, Star, Spatz, Hausrotschwanz oder Gartenrotschwanz. Sie nisten in alten Baumhöhlen oder eben in Lücken und Ritzen an Gebäuden. Gerade diese Arten leben nämlich auch oft in der Nähe des Menschen. Nun haben wir in unserer heutigen Zeit oftmals kein Verständnis mehr für alte, manchmal halbmorsche Bäume, in denen Höhlen und Löcher Lebensraum schenken. Auch sind unsere heutigen Häuser nicht mehr verwinkelt, aus einzelnen Steinen gebaut (wo auch mal einer beschädigt sein kann), oder mit Ritzen unter dem Dach versehen. Häuser, die neu gebaut sind, sollen möglichst keine Schlupflöcher bieten und hermetisch gegen die Außenwelt abgeschirmt sein. Doch damit nehmen wir gerade den Tieren den Lebensraum, die uns in unseren menschlichen Kulturen so viele Jahrhunderte gefolgt sind. Nun muss das aber kein Ende des gemeinsamen Lebensraums von Mensch und Vogel sein!

Fehlende Nistplätze sind neben dem Insektensterben ein Grund für den Rückgang der Vögel

Mit Nistkästen aller Art können wir den gefiederten Freunden in unserer Umgebung das Leben schön machen. Denn das Fehlen von Nistmöglichkeiten gehört neben dem Insektensterben zu einem Hauptgrund, warum unsere heimischen Vögel gefährdet sind. Mit den richtigen Nistmöglichkeiten und bestenfalls ganzjähriger Fütterung kann man sehr schnell den Vogelarten in seiner Umgebung helfen und kommt selbst zudem noch in den Genuss eines beeindruckenden Naturerlebnisses: Vögel beim geschäftigen Treiben und der ersten Flugversuche beobachten zu können.

Bei der Frühlingsreinigung findet man weich gepolsterte Betten.

Hundehaare werden sehr gerne in kuschelige Nester verwoben.

Manchmal weckt man bei Aufräumarbeiten Insekten, wie hier Marienkäfer. Daher sollte man erst bei milden Temperaturen kurz vor Frühlingsbeginn aufräumen.

Spatzen leben gerne in Gesellschaft. Deshalb bieten wir ihnen diese kleine Reihenhaus-Siedlung an. Wir hoffen, dass sie ihnen gefällt!

Worauf sollte man achten? Ein guter Nistplatz steht und fällt mit dem Material des bereitgestellten Nistkastens. Bestenfalls bestehen diese aus isolierendem Holzbeton oder gegossenem Bims. Diese Nistkästen sind unverwüstlich und schützen die kleinen Vögel sowohl bei Kälte und auch bei hochsommerlich heißen Temperaturen. Ein Nistkasten aus Holz funktioniert natürlich auch. Nur ist die Lebensdauer hier wegen Verwitterung eingeschränkt. Und am falschen Platz (z.B. in der prallen Sonne), kann Holz nicht ausreichend schützen. Daher ist auch die Wahl des Standplatzes elementar. Wir können nie genau wissen, welcher Platz den Vögeln am besten gefällt. Doch in jedem Fall sollte man den Nistkasten mit der Öffnung zur wetterabgewandten Seite aufhängen. In den meisten Fällen ist die südöstliche Richtung die richtige Wahl. Er sollte auf ca. 1,80 m angebracht sein (mindestens Augenhöhe) und bestenfalls nicht erreichbar für Katzen, Wiesel, Marder etc. sein. In solchen Fällen kann man auch einfache Klettersperren anbringen.

Und natürlich: Der Kasten sollte für die Arten, die im eigenen Garten heimisch sind, geeignet sein (die Größe des Einflugloches ist für viele entscheidend).

Wie kann man Vögel noch unterstützen?

Wer Vögel unterstützen möchte, sollte das tun, was allen Tierarten hilft: Den Garten zum Lebensraum werden lassen. Dazu gehört:

Blumenwiesen statt Rasenfläche

Moderne Rasenflächen bieten ähnlich wertvollen Lebensraum wie Schotterwüsten – außer, dass hier das Regenwasser noch absickern kann, fühlt sich kaum ein Tier hier wohl. Es gibt wunderbare Gras-Kräuter-Mischungen heimischer Saatgut-Vermehrer, die Vielfalt auf die Wiese bringen. Wichtig: Eine Wiese sollte hoch wachsen dürfen. Der Rasenmäher darf hier ruhig einmal im Schuppen stehen bleiben.

Wildblumen statt Zuchtformen

Viele Blumen der üblichen Gartencenter sind gezüchtete Formen, die gefüllte Blüten haben. Gefüllte Blüten sind jedoch schwer, manchmal gar nicht zugänglich für Insekten. Sie locken daher viele Tiere an, die jedoch sprichwörtlich vor geschlossener Tür verhungern. Wählen Sie daher am besten die Wildform der Zuchtblumen. In den meisten Gartencentern suchen sie diese vergebens. Der Wildpflanzengärtner Ihres Vertrauens hat eine gute Auswahl.

Steingarten statt Schotterwüste

Viele verwechseln den wertvollen Lebensraum des Steingartens, in dem Trockenheit liebende Pflanzen wachsen und viele Insekten Lebensraum finden, mit den heute modernen Schotterwüsten, die mit Unkrautsperren von der Lebenskraft des Bodens abgeschottet werden. Möchte man also einen steinigen Garten (weil man es schön findet oder weniger Aufwand haben möchte) sollte man sich mit dem Lebensraum Steingarten auseinander setzen.

Heimische Sträucher statt steriler immergrüner Sträucher und Koniferen

Die meisten Koniferen und immergrünen Sträucher dienen nur dem Auge: Als Sichtschutz oder als grüne Insel im Winter. Die meisten Arten sind jedoch nutzlos für die heimische Fauna. Ersetzen Sie nach und nach ihre Sträucher durch heimische Arten. Ihr Wildpflanzengärtner hilft Ihnen bei der Auswahl wirklich schöner Alternativen.

Herbst- und und Winterruhe statt Aktionismus

Gerne wird im Herbst der Garten “winterfest” gemacht. Für Wasserleitungen darf das zutreffen. Aber nicht für Pflanzenreste, Laub und Blütenstände. Die sollten über Winter im Garten genau so verbleiben, wie sie sind. Denn sie sind die Lebensversicherung für viele Tiere, um erfolgreich über den Winter zu kommen, allen voran für die Insekten. Diese verkriechen sich z.B. in Blütenständen oder im Laub. Viele unscheinbare Puppen der brillanten Schmetterlinge, die wir im Sommer so bewundern, überwintern z.B. auch oft an Stängeln von vertrockneten Pflanzen. Dass unsere heimischen Pflanzen im Winter braun und vertrocknet aussehen, ist völlig normal und zudem das Kapital des Lebens für das kommende Jahr!

Ganzjährige Fütterung

Als Landwirte kannten wir noch die Zeiten, in denen Spatzen in jeder Ecke saßen und in der Scheune Weizenkörner ohne Ende geklaut haben. Diese Zeiten sind lange vorbei. Heute wird Getreide in geschlossenen Silos gelagert, an die kein Tier mehr herankommt. Spatzen findet man daher fast nur noch dort, wo es Pferde oder Hühner gibt. Sie sind auf ein ganzjähriges Futterangebot angewiesen. Aber auch all die anderen Arten leiden unter akutem Futtermangel: Auf konventionell bewirtschafteten Feldern finden sich zu wenige Wildkräuter, Ackersäume werden niedergemacht. Die Vielfalt des Futterangebots an Samen ist dramatisch gesunken. Und natürlich auch das große Insektensterben schlägt sich auf das Überleben der Vogelarten nieder: Je weniger Insekten, desto weniger Vögel. Mit ganzjähriger Fütterung kann man daher die heimischen Vogelarten unterstützen, so lange, bis die Ursache des Vogelsterbens behoben ist. Das wird dann sein, wenn wir wieder buntere Landschaften mit mehr Struktur, mehr Biodiversitätsflächen und lebensfreundlichere Gärten haben.

 

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